Eigenständig vorsorgen

Private Altersvorsorge

Die private Altersvorsorge ergänzt die gesetzliche Rente und ist für die meisten Menschen heute unverzichtbar. Von ETF-Sparplänen über klassische Rentenversicherungen bis zur Immobilie – die Möglichkeiten sind vielfältig und individuell wählbar.

Was ist private Altersvorsorge?

Unter privater Altersvorsorge versteht man alle Formen der Vermögensbildung fürs Alter, die weder staatlich noch betrieblich organisiert sind. Sie liegen vollständig in Ihrer eigenen Verantwortung – mit dem Vorteil maximaler Flexibilität, aber auch ohne staatliche Zulagen oder Steuerprivilegien wie bei Riester, Rürup oder bAV.

Die wichtigsten Bausteine: ETF-Sparpläne (kostengünstig, flexibel, marktabhängig), private Rentenversicherungen (lebenslange Rente, dafür meist geringere Rendite), Immobilien (Eigennutzung oder Vermietung), Aktien und Anleihen (Renditechancen mit Risiko) sowie Tagesgeld oder Festgeld (sicher, aber niedrig verzinst).

Empfehlenswert ist eine diversifizierte Strategie: Mehrere Bausteine zu kombinieren reduziert Risiken und nutzt die Vorteile verschiedener Anlageklassen. Die ideale Zusammensetzung hängt von Alter, Einkommen, Risikobereitschaft, Familienstand und bereits vorhandener Vorsorge ab.

Die wichtigsten Bausteine

  • ETF-Sparplan: Kostengünstig, flexibel und renditestark – ideal für den langfristigen Vermögensaufbau. Bereits ab 25 € monatlich möglich.
  • Private Rentenversicherung: Lebenslange Rente und Planungssicherheit – allerdings mit höheren Kosten und meist niedriger Rendite als bei Aktienanlagen.
  • Immobilie: Eigennutzung spart Miete, Vermietung schafft Einkommen – allerdings mit hohem Kapitalbedarf und Verwaltungsaufwand.
  • Tagesgeld & Festgeld: Sicher und liquide, aber niedrige Zinsen – sinnvoll als Liquiditätsreserve, nicht als Kern der Altersvorsorge.

Wie viel sollten Sie zurücklegen?

Eine Faustregel besagt: 10 bis 15 Prozent des Nettoeinkommens sollten in die private Altersvorsorge fließen – als Ergänzung zur gesetzlichen Rente. Tatsächlich hängt der Bedarf stark vom späteren Ausgabenniveau und den anderen Vorsorgesäulen ab.

Endkapital ≈ monatliche Sparrate × Laufzeit × (1 + Rendite)

Versorgungslücke ermitteln: Wie viel werde ich im Ruhestand brauchen, wie viel deckt die gesetzliche Rente?

Sparquote festlegen: 10–15 % des Nettoeinkommens als Richtwert für die Altersvorsorge.

Renditeerwartung realistisch: Langfristig erbringen breit gestreute Aktien-ETFs historisch 5–7 % p. a., sichere Anlagen 1–3 %.

Inflation berücksichtigen: Eine reale Kaufkraft von 1.000 € heute entspricht in 30 Jahren bei 2 % Inflation etwa 550 € – Inflation darf nicht ignoriert werden.

Beispielrechnung

Frau Berger spart ab dem 35. Lebensjahr 250 € monatlich in einen ETF-Sparplan. Bei einer angenommenen Rendite von 6 % pro Jahr über 30 Jahre Laufzeit kommt sie auf ein Endkapital von rund 250.000 € – aus Eigenleistung von 90.000 € plus Zinseszinseffekt. Verteilt auf 25 Rentenjahre ergibt das etwa 830 € pro Monat zusätzlich.

So starten Sie

Anders als bei staatlichen Rentenformen gibt es keinen Antrag. Sie wählen Anlageform, Anbieter und Sparrate selbst – idealerweise nach einer strukturierten Analyse Ihrer Lebenssituation.

1

Analyse

Ist-Stand prüfen – welche Vorsorge besteht bereits, wo ist die Versorgungslücke?

2

Strategie wählen

Risikoprofil festlegen und passende Bausteine zusammenstellen (ETF, Versicherung, Immobilie, …).

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Umsetzen und überprüfen

Sparplan einrichten, jährliche Kontrolle – Anpassungen bei veränderten Lebensumständen.

Empfehlenswerte Werkzeuge

  • Renteninformation der DRV
  • Haushaltsbuch
  • Übersicht laufender Sparverträge
  • Vermögensaufstellung
  • Liste laufender Versicherungen
  • Steuerunterlagen der letzten Jahre

Häufige Fragen zur privaten Altersvorsorge

Das hängt von Ihrem Ziel ab. ETF-Sparpläne sind kostengünstiger, flexibler und langfristig renditestärker, dafür liegt das Marktrisiko bei Ihnen. Rentenversicherungen bieten eine lebenslange Garantierente, sind aber teurer und renditeschwächer. Häufig sinnvoll: Kombination aus beidem – ETF für den Vermögensaufbau, Rente zur Absicherung der Langlebigkeit.
Faustregel: 10–15 % des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge, idealerweise früh begonnen. Bei späterem Start oder höheren Vorstellungen vom Ruhestand entsprechend mehr. Wer zu spät beginnt, muss höhere Beiträge investieren – der Zinseszinseffekt belohnt frühe Einzahlungen massiv.
Eine selbstgenutzte Immobilie spart später Mietausgaben und gibt Sicherheit. Vermietete Immobilien können attraktiv sein, bringen aber hohen Aufwand, Klumpenrisiken und Pflegekosten mit sich. Bei aktuell hohen Immobilienpreisen und gestiegenen Zinsen lohnt ein genauer Vergleich mit ETF-Anlagen.
Auf Veräußerungsgewinne und Ausschüttungen fällt Abgeltungsteuer in Höhe von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an. Bei Aktien-ETFs gilt zudem eine Teilfreistellung von 30 %. Es gibt einen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (Einzelpersonen) bzw. 2.000 € (Ehepaare) pro Jahr.
Sachwerte wie Aktien und Immobilien bieten langfristig den besten Inflationsschutz, weil sie an wachsende Unternehmensgewinne bzw. Mieten gekoppelt sind. Geldwerte (Tagesgeld, Anleihen) sind hingegen anfälliger. Eine inflationsindexierte Rentenversicherung kann sinnvoll sein – ist aber teuer.

Wichtig zu wissen

  • Früh beginnen. Der Zinseszins ist Ihr stärkster Verbündeter.
  • Diversifikation. Streuen Sie über Anlageklassen und Regionen, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
  • Kosten beachten. Hohe Verwaltungskosten fressen Rendite – ETFs schlagen aktiv gemanagte Fonds langfristig häufig.
  • Inflation einplanen. Reale statt nominale Werte berücksichtigen.
  • Regelmäßig überprüfen. Mindestens einmal jährlich Status quo und Strategie kontrollieren.

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